Reaktion zu meinem Artikel auf derStandard.at

selbsttest

Heute wurde ein Artikel von mir über den österreichischen Volkssport LehrerInnen-Bashing auf derStandard.at veröffentlicht (http://derstandard.at/2000014328498/Wie-viele-Stunden-arbeitet-ein-Lehrer-wirklich-Ein-Selbsttest).

Daraufhin folgte eine Welle an Reaktionen (sowohl extrem positiv als auch extrem negativ) in meiner Mailbox, auf meiner Homepage, auf Facebook und im Standard Forum. Wer hätte das gedacht?!

Einige Klarstellungen zu vielen Kritikpunkten:

1) Warum habe ich überhaupt die Zeit gemessen? Nun, die Öffentlichkeit beschränkt sich leider in der Diskussion „Was leisten LehrerInnen?“ zum Großteil nur auf Zeitangaben.  20h, 22h, so und so viele Wochen Ferien, etc. Aufgrund dessen hatte ich beschlossen meine Argumentationslinie auf genau dem gleichen hohlen und oberflächlichen Niveau der Zeit zu führen. Seriöse Studien zu diesem Thema werden im Übrigen gerne von der Öffentlichkeit verschwiegen bzw. ignoriert.

2) Die 37 Stunden Anwesenheit sind zum überwiegenden Großteil Arbeitszeit. Wie stellen Sie sich eine „Fensterstunde“ bzw. Pausen vor? In genau dieser Zeit werden Stunden kurz nachbereitet, SchülerInnen-Gespräche geführt, mit der KV-Klasse kommuniziert, korrigiert, Besprechungen mit KollegInnen durchgeführt, etc. Die Liste ist lang und ich muss sagen, es ist mir zu mühsam den Aufgabenbereich einer Lehrperson immer wieder bis ins kleinste Detail aufzulisten. Alle, die sich das mal genau durch den Kopf gehen lassen, müssten hier verstehen können, wie es in der Realität wirklich aussieht.

3) Viele haben den Text nicht genau gelesen. Ich habe ausdrücklich gesagt, dass meine beschriebene Woche einen Zeitraum behandelt, welcher unterdurchschnittlich bis durchschnittlich anzusehen ist. Ich bin mir sicher, dass eine durchschnittliche Arbeitswoche von mind. 50h ausreichen, um die zusätzliche „freie“ Zeit (ja, auch in dieser Zeit wird zum Teil viel gearbeitet) auszugleichen. Liebe Leute, nochmal zum mitschreiben: nicht jeder Tag der Ferien bedeutet gleich Freizeit. Das wird mir nun wieder mal keiner glauben, aber es ist einfach so. Außerdem gibt es auch zu diesem Thema Studien, welche den Arbeitsaufwand im gesamten Jahr berechnen und gut dokumentieren dass LehrerInnen gleich viel arbeiten wie der Rest.

4) Ich bin nicht die Ausnahme, ich entspreche (meiner Einschätzung nach) dem Durchschnitt. LehrerInnen, die in der Woche weniger als 40 Stunden für ihren Job aufwenden, kann ich an meinem 100-köpfigen Schulstandort an einer Hand abzählen.

5) „Die Lehrer und ihr ewiges Gejammere!“ Geht’s noch?! Unser  Berufsstand wird jahrelang in aller Öffentlichkeit durch den Dreck gezogen, unser Chef sagt vor laufenden Kameras, dass wir alle nix hakeln, jeder diffamiert uns mit unglaublich stupidem Halbwissen, UND WIR DÜRFEN UNS NICHT EINMAL VERTEIDIGEN?

6) „Die Privatwirtschaft! Bei uns in der Privatwirtschaft…!“ Ich kann es nicht mehr hören!! Aber natürlich kenne ich mich aus wie es in der Privatwirtschaft läuft. Dort ist es ja genau so wie in der Schule. Es gibt wenige schwarze Schafe und Viele die etwas leisten. Und: wie viele Berufe kennen Sie, die von der breiten Masse genau so fertig gemacht werden wie der Lehrberuf?

Außerdem, nur so mal zum Nachdenken: lesen Sie sich mal die Studien durch, welche die wahre Arbeitszeit in Büros untersuchen (hust…60%). Oder die Studien, welche die bezahlten Rauchpausen berechnen.  Dann können wir weiter reden…

 

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10 Antworten zu “Reaktion zu meinem Artikel auf derStandard.at

  1. man möchte sich ja nicht auf das selbe niveau begeben, aber ich habe schon so oft gehört von leuten, die lange in büros oder auf diversen öffentlichen ämtern gearbeitet haben, wie es dort zugeht… zuerst kommt man mal gemütlich um 8 und muss erst mal einen kaffee trinken, weil sonst geht ja mal gar nix.. dann wird alle 30 min eine rauchen gegangen, dann holt man sich gemütlich noch einen kaffee, um 11 uhr werden im internet schon die speisekarten von allen restaurants in der umgebung zu studieren begonnen, weil man um 12 ja dann essen gehen will usw… dann kommt man um 12:30 oder später wieder um bis um halb 4, 4 noch mindestens 4 zigaretten und kaffeepausen einzulegen… und genau diese leute sind „soooo gestresst“… die wissen gar nicht zu schätzen, was es bedeutet, einen halbwegs ruhigen und großen arbeitsplatz zu haben usw…

  2. problem ist, dass es eine heterogene gruppe ist, die homogen auftritt: die fleißigen sind mit den faulen solidarisch über alle alters-, schulform- und parteigrenzen hinweg. jeder kennt aus seiner schulzeit den unvorbereiteten lehrer oder den, der 20 jahre dasselbe macht und den gibt es nun mal auch, aber wenn man lehrer hört, hackeln alle 50 stunden plus (die es auch zu hauf gibt).

    übrigens: 50 stunden pro wochen müssens schon aus dem grund sein, dass sich 15 wochen urlaub rechtfertigen lassen. dann kommt man im jahresmittel auf ca. 38,5-40 stunden.

    komischerweise sind lehrer in der schweiz und deutschland angesehener und besser bezahlt. könnt auch daran liegen, dass die lehrverpflichtung wesentlich höher ist und nicht jeder zweite schwarz nachhilfe gibt…

  3. Sehr gut erkannt, die Neid und Jagd Gesellschaft in Österreich wird aberimmer wieder auf Lehrer hinschlagen, selbst wenn die wöchentliche Arbeitszeit 60+ betragen wird. – Warum ? Ganz einfach, weil Ihr Berufsstand in Österreich einfach schon seit Jahrzehnten so wahrgenommen wird – Die, die 4 Monate frei haben im Jahr, die, die nur a paar Stunden pro Tag unterrichten (Vorbereitungszeit, Excursionen, Projektwochen,…werden nicht als Arbeitszeit wahrgenommen bzw. negiert)

    Wie in jedem Beruf gibt es schwarze Schafe, welche meistens von den anderen mitgezogen werden und nur ganz selten zur Verantwortung gezogen werden. Das wird uns ja auch schon tagtäglich in der Politik vorgezeigt.

    Ich sehe die Gründe der aktuellen Schüler/Lehrer/Eltern Frustation darin, das immer mehr Erziehungsaufgaben vom Elternhaus in die Schule transferiert werden. Der Lehrer daher gar nicht mehr die ganze Stunde nutzen kann um seinen Lehrstoff zu vermitteln, sondern viel Zeit und auch Energie aufwenden muss, um Aufgaben zu erledigen, welche ganz klar nicht in seinen Tätigkeitsbereich fallen. Und das frustiert mit der Zeit und mündet in einer Spirale, die sich munter dreht und dann auch noch von Parteitaktikern gerne beschleunigt wird.

    Ich bin kein Lehrer, hab in meinem Bekanntenkreis auch keine Lehrer.
    Bin aber Vater eines 10jährigen, der gern zur Schule geht, was wohl auch daran liegt, das die Lehrer in der Volksschule (noch!) motiviert sind. Und hoffe, das sich dies auch in seinem weiteren Bildungsweg so fortsetzt.

    Ein plumper Vergleich zum Abschluss – Niemanden würde einfallen, den Wachmann, welcher auf das Wohnhaus aufpasst, bei jeder Gelegenheit der Unaufmerksamkeit und Faulheit zu bezichtigen. Und das sind Sachwerte.

    Beim eigenen Fleisch und Blut aber erniedrigen, beschimpfen und verhöhnen wir bei jeder Gelegenheit die Menschen, die es sich vorgenommen haben, jenen Wissen (und damit Chancen im Leben) zu vermitteln, welche uns am nächsten stehen sollten.

    In diesem Sinne – danke ich Ihnen zumindest in menem Namen für Ihr Engagement und hoffe dieses bleibt Ihnen und damit auch den, Ihnen anvertrauten Kindern sehr lange erhalten.

  4. Ganz HEISSES Eisen – muss aber einmal auch offiziell gesagt werden:
    Dass manche LehrerInnen es nicht leicht haben – wissen wir – ist angekommen!

    Aber die Ersten die sich IMMER angegriffen fühlen und JAMMERN sind die LehrerInnen! Als Angestellter hat man maximal 5 Wochen Urlaub und als Selbständiger arbeitet man sowieso immer Tag und Nacht – also was soll`s! In unserem Bekanntenkreis arbeitet man im Schnitt ca. 80-100 Stunden/Woche – viele Arbeiten auch am Wochenende durch. Wir reden dann aber auch nicht von mehreren Monaten Urlaub. Ein mehrwöchige Kur kann sich ein Selbstständiger auch nicht leisten – krank sein sowieso nicht!

    Und das muss auch einmal gesagt werden: Es ist euch keiner den Job neidig aber steht wenigstens dazu – ihr habt Euch den Job selber ausgesucht – für die meistens die damals Lehramt studierten (sehr beliebt war damals die Kombination Lehramt Geografie & Turnen) waren die Beweggründe bzw. die Vorstellung: einen raschen Studienabschluss, eine ruhige Kugel schieben und einfach viel Urlaub machen (so in den 80/90ern die Aussagen vieler damaliger StudienkollegenInnen auf die Frage warum sie Lehramt studieren – diese Aussage trifft natürlich nicht auf ALLE zu – das wäre ja fatal für die nächste Generation!)

    Ich kennen viele LehrerInnen in unserem Freundes-/Bekanntenkreis die noch aktiv unterrichten – einige davon sind allerdings schon wegen Frustration und Burnout im Ruhestand – daher bekomme ich auch von der „Front“ einiges mit und es gibt viele Diskussionsabende.

    Leider gibt es aber ganz wenig gut ausgebildete Lehrerinnen – der Rest ist einfach überfordert – von der „psychologischen Kompetenz“ ganz zu schweigen – viele hätten einfach gar nicht LehrerIn werden dürfen!

    Und da hat sich leider seit den 80er nicht viel geändert – und da steh ich mit meiner Meinung nicht alleine da – sogar viele LehrerInnen sagen das über ihre eigenen KollegenInnen!

    30 Jahre später ist der Beruf LehrerIn in harter Arbeit ausgeartet und jetzt haben wir die höchste Burnoutrate bei den BankangestelltenInnen?? und LehrerInnen??

    Was ist aus der Berufung LehrerIn geworden? Vielleicht sollten sich einige Fragen ob sie nicht aus falschen Beweggründen Lehramt studiert haben …

  5. Lieber Herr Gmeiner, ad „Außerdem, nur so mal zum Nachdenken: lesen Sie sich mal die Studien durch, welche die wahre Arbeitszeit in Büros untersuchen (hust…60%). Oder die Studien, welche die bezahlten Rauchpausen berechnen. Dann können wir weiter reden…“

    Das geht Sie nur leider gar nichts an, sofern Sie hier von der Privatwirtschaft reden. Und wenn die Eigentümer die MA für 8h Nasenbohrer bezahlen, kann Ihnen das gleichgültig sein. Sie scheinen zu vergessen, wer Ihr Gehalt bezahlt.

    • Eine „Wer zahlt – schafft an“ Mentalität ist bei so einem Thema aber komplett fehl am Platz.

      Abgesehen davon, das die Gehälter in der Privatwirtschaft genauso von der Allgemeinheit durch den Konsum bezahlt werden;

      Wird ein Unternehmen, welches seine MA fürs Nasebohren bezahlt, nicht sehr lang am Markt sein.
      Und MA, welche nur Nasebohren werden, genauso wie Lehrer, sehr schnell herausfinden, das der Arbeitsmarkt nicht nach solchen „Talenten“ sucht.

      Die Lehrer werden immer nur durch NeidDebatten angefeindet…
      Hier wird von beiden Seiten (Dienstgeber und Gewerkschaft) schon lange keine sachliche Debatte mehr geführt – geht auch nicht mehr, dazu ist das Thema schon viel zu sehr emotionalisiert worden.

    • Wollen Sie wirklich eine ‚Wer zahlt, schafft an‘ Diskussion vom Zaun brechen?
      Dann haben Sie schon verloren.
      Um mit miserablem Deutsch zu antworten:
      Weil: zahlen tut’s der Staat bzw das Land. Also schaffen die auch an.
      Das Argument ‚letztendlich zahle ich das ja von meinen Steuern‘ gilt nicht. Weil Sie letztendlich andere Dinge ebenfalls von dem Geld bezahlen, das Sie für Ihre Anwesenheit bzw Ihre Tätigkeit in einem Job bekommen: Werbung und damit Werbetreibende, Treibstoff, die Entsorgung des Mülls, den Sie produzieren, Wasser, das Sie verbrauchen, …
      Und eben auch Bildung für Sie und Ihre Nachkommen.

  6. 50 Stunden in der Woche arbeiten Lehrer? Ich versuche das mal zu glauben. Sie schreiben wie viel sie arbeiten müssen und das es nicht leicht ist. Gut das glaube ich ihnen. Ich sehe das aber auch so das Lehrer nun mal so viel „Urlaub“ im Jahr haben wie ein 6 jähriges Kind und nie die echte Arbeitswelt kennengelernt haben. Daher sind sie natürlich schneller mit der Arbeit überfordert als andere Berufsgruppen. Natürlich ist die Arbeit als Lehrer sicher in vielen Bereichen anstrengend und aufwendig, aber es gibt viele soziale Berufe die sehr viel zu leisten haben , viel Verantwortung haben und nur einen Bruchteil der Freizeit eines Lehrers haben ( auch ich arbeite in einem sozialen Beruf ). Und in den meisten dieser sozialen Berufe bekommt man auch einen viel geringeren Gehalt als ein Lehrer!!! Sie sind 28 Jahre und schon mit ihrem angenehmen Beruf überfordert? Machen Sie doch mal einen Test und arbeiten sie 1 Jahr lang in der normalen Arbeitswelt, sie würden ihr schreiben wohl schnell anders sehen. Wünsche ihnen weiterhin viel Spaß und Engagement bei ihrem weiteren Weg.

  7. Diesen „Krieg“ kann man in Österreich zum jetzigen Zeitpunkt leider nicht gewinnen. Es geht hier offen-(er)-sichtlich nur mehr um Emotionen. Das wirklich Erschreckende ist die Stimmungslage im Forum vom Standard und damit indirekt wohl auch in einem wesentlichen Teil der österreichischen Bevölkerung (da wird es wohl insgesamt betrachtet nicht ganz so extrem sein).
    Das ist in dieser Dimension sicher keine Folge von Fakten sondern von 1.) schlechter Politik (Parteien, Gewerkschaften, politische Schulorganisationen) und 2.) genereller Stimmungsmache zum Thema Bildung in Österreich.
    Am meisten können Sie als Lehrender wohl dadurch bewirken, dass Sie sich eine „Nische“ (wenn es denn so eine gibt) suchen, in der Sie mit voller Begeisterung und möglichst ohne Schikanen unterrichten können und so interessierte junge Erwachsene heranbilden, die in nicht zu ferner Zukunft wirklich mündige Staatsbürger sein werden und mehr Weitblick haben werden.
    Das hat dann allerdings viel mehr mit Berufung als Beruf zu tun und der Großteil der störenden politischen Strukturen sind in diesem Umfeld dann wesentlich weniger relevant. Berufung kennt übrigens keine Ferien, die (Berufung) hat man immer und damit ist diese leidige Arbeitszeitdiskussion erledigt.(Punkt) Das ist in jedem Beruf so, auch in der Privatwirtschaft.

    Wehren Sie sich, aber lassen Sie sich von dieser Stimmung nicht entmutigen. Ich wünsche Ihnen alles Gute!

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